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«Warum muss ich für die Griechen zahlen?»

Φεβρουαρίου 25, 2012 Σχολιάστε Go to comments

«Warum muss ich für die Griechen zahlen?» Das ist die zentrale Frage, die seit ca. zwei Jahren von einem großen Teil der deutschsprachigen Mitteleuropäer immer wieder formuliert wird. Und das ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass seit dem Anbeginn der Eurokrise Griechen­land eine Reihe von teuren Hilfspaketen bekommt, obwohl die Erholungsperspektiven seiner Wirtschaft nicht ganz optimis­tisch zu sein scheinen. In Zusammenhang mit der „sündigen“ Ver­gangenheit des griechischen Parteistaates hat diese Entwicklung zu dem Phänomen geführt, das wir an einer an­deren Stelle als die deutsche Moraloffensive gegen die Griechen und die anderen Südländer be­zeichnet und diskutiert haben. Dort haben wir eine Reihe von Punkten aufgelistet, die den ober­flächlichen, unproduktiven und oft kindischen Charakter des von der Bildzeitung und anderen populistischen Stimmen propagierten Moralisierens zeigen. Wie es zu erwarten war, hat dieses Moralisieren schon vom Anfang an entsprechende antideutsche Reaktionen in Griechen­land her­vorgerufen und in den letzten zwei Jahren befinden sich die beiden Länder in einem un­erklärten und eigenartigen Kulturkrieg. Gerade aus diesem Grund ist es essentiell zu versuchen, unsere Ti­tel­frage auf einer Basis zu beantworten, die nicht vom Moralisieren, sondern von seinem Gegen­teil ausgeht. Und im Gegenteil des Moralisierens steht das Analysieren.

In diesem Rahmen muss man zunächst auf eine Reihe von Fakten hinweisen, die vielen Zentral­europäern vielleicht noch nicht ganz klar sind. Dazu gehört zunächst die Tatsache, dass die grie­chischen Hilfspakete keine Geschenke darstellen, sondern Kredite. Das Geld, das die Deutschen durch ihre Beteiligung an der drei Institutionen der griechischen Troika (IMF, EZB und EU) für die Griechen zahlen, ist Bestandteil eines großen Kredits mit Zinsen. Des Weiteren geht dieses Hilfsgeld größtenteils nicht an die Bankkonten der Griechen, sondern auf diejenigen ihrer internationa­len Kreditgeber. Im Rahmen des griechischen Hilfsprogramms werden nämlich die fälligen Kre­dite Griechenlands von seinen neuen Gläubigern (Troika) zurückgezahlt. Da aber an diesen neuen Rettungskrediten die europäischen Staaten und Bürger beteiligen, kommt es darauf, dass ihr Geld für die Zurückzahlung der alten Kredite gebraucht wird, die dennoch dem griechischen Staat von Pri­vatfirmen (Banken) gewährt worden waren. Anders formuliert, bezahlen nun die deutschen (und andere europäische) Bürger, um die Verluste von erfolgslosen privaten Investitio­nen aus­zuglei­chen. Wie man nun leicht verstehen kann, liegt es genau darin, dass in den letzten zwei Jah­ren die internationalen Medien Griechenland unter der Lupe genommen haben. Wenn man sich nämlich auf die verschiedenen negativen Kuriositäten des kleinen gallischen Dorfes im Südosten Europas konzentriert, kann man von den Sünden des Römischen Reiches abgelenkt werden und möglichst ohne Beschweren Privatverluste mit seinem eigenen Geld ausgleichen. Und während einige dieser Privatinvestoren dadurch weiterhin wachsen und gedeihen, um ihre verschiedenen Todeswetten auf Griechenlands Zukunft in der Eurozone einzugehen, ist es bereits bekannt, was den einfachen Griechen passiert. Der griechische Parteistaat ver­sucht dieses vieldiskutierte Spar- und Konsolidierungsprogramm auf Kosten des Sozialstaates um­zusetzen. Ein Programm, das auch an sich bisher nicht nur als erfolg- und ausweglos erwiesen hat, sondern auch als katastrophal für einen großen Teil der griechischen Wirtschaft und Gesell­schaft.

Darauf kann man natürlich erwidern, dass es trotzdem Griechenland ist (und nicht z.B. Holland), das im Mittelpunkt dieser unglücklichen Situation steht. Warum muss man denn entweder für die Griechen selbst oder für ihre Privatgläubiger zahlen? Die Antwort, die viele Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und der Politik auf unsere erneut gestellte Frage geben, ist dass für die Eurozone Griechenland zu retten (immer noch) viel billiger ist als Griechenland zu verlassen. Das Problem scheint nämlich darin zu liegen, dass Griechenland überhaupt ein Mitglied der Eurozone ist und bereits eine große Gefahr für sie darstellt. Hier ist sicherlich die Versuchung groß, an die «Greek Sta­tistics» zu erinnern, durch die Griechenland der Eurozone beitrat, ohne die Konvergenzkrite­rien wirklich erfüllt zu haben. Auf diese Weise könnte man unsere zentrale Frage dadurch beant­worten, dass nun die Deutschen den Preis für jenes inakzeptable Benehmen der Griechen und für jene falsche Ent­scheidung der Europäer zahlen müssen. Allerdings scheint diese auf dem ersten Blick ganz be­frie­digend klingende Schlussfolgerung von einem anderen Aspekt des Problems in Zweifel gezogen zu werden. Im Lauf der Eurokrise ist nämlich bald klar geworden, dass es nicht nur Griechenland, son­dern auch die ge­samte Kette der mediterranen Länder war (die sog. PIGS [Portugal, Italien, Grie­chenland, Spa­nien]), die zusammen mit Irland eine solidaritäts- und hilfs­bedürftige Krisen­zone darstellte. Wenn Griechenland die Blume des Bösen darstellt, warum wei­sen auch diese an­deren Länder erhebliche Wirtschaftsprobleme auf? Und warum ist die geo­graphische Lage der drei Länder mit den meisten Problemen (Griechenland, Portugal, Irland) so charakteristisch und verdächtig pe­ripheral im Verhältnis zu Zentraleuropa (Griechenland im Süd­osten, Portugal im Südwesten, Ir­land im Nordwesten)?

Die Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Fragen scheint eine ganz andere Ebene der Analyse vorauszusetzen, in deren Rahmen die Wirtschaftsprobleme der PIIGS-Staaten unter einer eher kulturanthropologischen Sichtweise zu erklären sind. Die Größe der Hauhaltsdefizite und der Staatsschulden in diesen Staaten dürfte nämlich als eine Widerspiegelung nicht nur des Zustandes ih­rer Wirtschaft, sondern auch der kulturellen Distanz zwischen diesen Ländern und Zentraleu­ropa zu interpretieren sein. In einem Kontinent, wo politische Theorien, Wirtschaftssysteme und «Medizinen» (für die Krisenänder) zentral­europäischen Ursprungs herrschen, verweist der charakteristische Abweichungsgra­dient von der im Zentrum Europas anzutreffenden, idealen Umsetzung dieser Vorbilder auf die zu den europäischen Randge­bieten hin graduell zunehmende kulturelle Differenzierung. Eine Diffe­renzierung, die auch durch historische und sprachwissenschaftliche Aspekte (z.B. die langen Kontakte der griechischen Welt zu den benachbarten, nicht europäischen Kulturen des Ostmit­telmeerraumes und Ana­toliens oder das keltische Sprach- und Kultursubstrat in Irland) klar zum Aus­druck kommt.

Wenn das der Fall ist, dann fällt das deutsche Geld, das seit zwei Jahren für die Griechen gegeben wird, einem ganz anderen Umstand zum Opfer: der Idee der Eurozone überhaupt. Einer Situation, wobei (grund)verschiedene Kulturen Europas einen einzigen Wirtschafts- und Staatskörper zu bilden versuchen. Dieses risikovolle Unterfangen ist seinerseits historisch einfach zu erklären: es stellt die andere Extreme im Verhältnis zu den Entwicklungen in Europa während der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts dar. Die Zerstörung des Kontinents während der beiden Weltkriege hat zu der Vision geführt, den extremen Konflikt durch die extreme Einigkeit zu ersetzen. Der wirkliche Grund, warum ich demzufolge als Deutsche jetzt für die Griechen zahlen muss, liegt in der nicht so fer­nen Vergan­genheit Europas. In einer Vergangenheit, deren eigene „fällige Kredite“ von mei­nem hochverschuldeten Land noch zurückzuzahlen sind. Es handelt sich um die gleiche Vergan­genheit, die ganz deutlich zeigt, wie gefährlich ist, auch in unserer Gegenwart der Krise von dieser alten, festen Überzeugung auszugehen: dass es am Ende in Europa nur Einen geben kann…

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