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Griechische Krise und deutsche Moraloffensive: eine kleine Hilfeleistung für die in Mitteleuropa lebenden Griechen

Die griechische Fiskalkrise stellt für Europa nicht nur eine gefährliche wirtschaftliche Komplika­tion dar. Vielmehr handelt es sich um eine Situation, welche die tiefen kulturellen Unterschiede und Konflikte, die innerhalb Europas existieren, zum Ausdruck gebracht hat. Es ist bereits kein Geheimnis, dass viele Griechen, die vorübergehend oder seit Jahren im deutschsprachigen Raum Europas wohnen, seit dem Beginn der griechischen Krise eine moralistische Attacke sei­tens eines Teils der einheimischen Bevölkerung erleben. Sie werden als die Vertreter der „schwarzen Schafe“ Europas und der Betrüger behandelt, die durch ihre Sünden und Verbre­chen die moralisch per­fekte Welt der Eu­rozone bedrohen und beschmutzen. Diese in ihrer Ver­allge­meinerung fast rassisti­sche Haltung geht über die harte und vollkommen gerechte Kritik an den ne­gativen Errungenschaften des griechischen Parteistaates in den letzten Jahrzehnten weit hinaus. Vielmehr bringt diese Haltung eine kulturelle Aversion zum Ausdruck, deshalb hat sie schon spo­radisch auf eine gerechtfertigte Reaktion gestoßen. Hier werden einige Punkte zusam­mengefasst, die für einen Grieche, der z.B. in Deutschland oder in Holland lebt, als Ver­teidigungs­argu­mente verwen­den werden können.

a) Mehrmals hören wir, dass die Griechen jahrelang „über ihre Verhältnisse“ gelebt haben. Was heißt das aber genau? Es wird hier bei einigen Deutschen nicht wirklich wahrgenommen, dass, auch wenn ein Grieche 1/10 des deutschen Durchschnittsgehaltes bekommt, wird er immer noch den Eindruck vermitteln, dass er „über seine Verhältnisse lebt“. Der Grund liegt darin, dass es eine Sache ist, wie viel Geld man hat, und etwas ganz Anderes, was für eine Beziehung man zum Geld hat…Eine Person, die 4 Euro hat und 2 davon ausgibt (weil sie z.B. ein reiches Sozialleben hat), kann mehr Güter verbrauchen als eine andere Person, die 10 Euro hat und 9 davon spart.

b) Als das Ergebnis von a) wird bei einigen Deutschen die simple Wahrheit nicht realisiert, dass es gut für Deutschland ist, dass wir nicht alle Deutsche sind. Der Grund ist einfach zu begreifen. Deutschland ist nicht bloß eine Exportwirtschaft. Es ist nicht einfach eine Wirtschaft, die massiv produziert und exportiert. Es ist eher eine Wirtschaft, die ihre Produkte in Ländern exportiert, in denen das kul­turelle Verhältnis der Verbraucher zum Geld meistens völlig anders ist als in Deutschland. Nur in wirtschaftlichen und kulturellen Kontexten, wo Begriffe, wie „Sparwut“ oder „Sparzwang“ nicht vorhanden oder nicht beliebt sind, besteht für eine Exportwirtschaft die Hoff­nung, mit gutem Profit ihre Produkte zu verkaufen. Wenn die Bevölkerung der anderen Länder die deutsche Spar­samkeitskultur adoptierte, dann würde die deutsche Wirtschaft sehr wahr­scheinlich innerhalb von wenigen Monaten zusammenbrechen.

c) Deutschland hat den EU-Eintritt Griechenlands akzeptiert, obwohl es allen bekannt war, dass der griechische Staat hochproblematisch war und die griechischen Finanzstatistiken unzuverlässig waren. Warum hat Deutschland in diesem Thema seine „Hausaufgaben“ nicht gemacht? Der Grund ist, dass bestimmte Kreise in Deutschland nicht nur die griechische Verbrauchs- und teil­weise Verschwendungskultur, sondern auch die Korruption (s. Siemens, usw.) des griechischen Partei­staates ausnutzen wollten. Und tatsächlich haben viele deutsche Firmen dadurch einfach viel Geld gewonnen. Alles, was demnach viele moralisierende Deutsche jetzt den Griechen vor­werfen, hat es sich für die Deut­schen (oder einige davon) jahrelang als äußerst profitabel erwie­sen. Und nun wird es wahrscheinlich profitabler als je zuvor…

d) Weder in Deutschland noch in Griechenland ist die theoretische Möglichkeit genügend berücksichtigt, dass die Voraussetzungen des wirtschaftlichen Wachstums bisweilen genauso krankhaft sein können wie diejenigen einer Pleitewirtschaft. Um ein Beispiel zu führen, ist eine schlanke Figur nicht un­bedingt auf eine gute Ernährung oder das sys­tematische Sporttreiben zurückzuführen. Diese Schlankheit kann manchmal auf völlig verschiedene Situatio­nen zurückgehen, wie z.B. Obsessionen und Zwänge bezüglich des eigenen Gewichts, eine neuro­tische Anorexie, etliche andere Krankheiten, usw. Dementsprechend kann eine starke Wirtschaft nicht nur durch bestimmte gute Mentalitäten und Tugenden herausgebildet worden sein, sondern auch durch ein nicht ganz gesundes kulturelles Verhältnis zu Begriffen wie „Arbeit“, „Geld“, „Sparen“, „Moralisieren“, usw. Die Tatsache, dass wir es hier mit der „dunklen“ Seite der sonst „hellen“ Wirtschaft Zentraleuropas zu tun haben, wird nicht zuletzt durch die unüber­sehbare Verwandtschaft ersichtlich, die einige in Deutschland geäußerten, extremen Ansichten hin­sichtlich der Un­terstützungsperspektive der „PIIGS“-Staaten zu älteren – und nicht wirklich angenehmen – entspre­chen­den Annäherungen aufwei­sen (s. Abbildung).

e) Die Griechen können stolz darauf sein, dass die schlimmste “internationale” Leistung ihrer modernen Staatsgeschichte nur eine Staatsschuld von ca. 350 Billionen Euro ist. Im Gegensatz dazu ist es nicht leicht zu vergessen, was einige Andere in Europa, die jetzt moralisieren, in ihrem eigenen düstersten Moment ausgelöst haben. Die gegenwärtige moralistische Offensive gegen die Griechen vermit­telt sogar den Eindruck, dass für einige Deutsche (natürlich nicht für alle) die 350 Billionen Euro Schuld als ein viel schwereres Verbrechen im Vergleich zu den Millionen Toten der beiden Weltkriege einzustufen ist. Nur so ist es zu erklären, dass es nach den griechischen “Krisenentschädigungen” so intensiv verlangt wird, während die deutschen Reparationszahlungen nach dem Zweiten Weltkrieg noch ausstehen. Als Griechen kön­nen wir demzufolge dankbar sein, dass wir eine Kultur haben, in der zumin­dest die Geldangele­genheiten und die Menschen nach Kriterien hierarchisiert werden, die nocht nicht ganz verdreht worden sind…

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  1. O Tavrou Spyridon
    Οκτωβρίου 25, 2011 στις 15:16

    Gut gebrüllt, Löwe!

  2. Οκτωβρίου 25, 2011 στις 15:25

    Danke schön!

  3. Ιουνίου 20, 2012 στις 10:45

    Der Grieche and sich ist doch sowieso NIE an etwas Schuld oder? Das ist doch mittlerweile allgemein bekannt!! Es sind doch immer die ANDEREN Schuld!!

  4. Ιουνίου 20, 2012 στις 15:43

    Lieber Reiner, du hast das Wort “Schuld” zweimal in nur zwei Zeilen erwähnt…Das zeigt schon die Fokussierung deiner Kultur auf den Begriff der Schuld und dementsprechend des Moralisierens. Die “Griechen”, d.h. jeder Grieche (wie jeder Italiener, jeder Deutsche, usw.), ist an vielen negativen Sachen Schuld und auf viele positive Sachen Stolz. Er hat gute und schlechte Charaktermerkmale. Die Frage ist ob wir mit dem Moralisieren oder dem Analysieren vorgehen. Denn, wie du siehst, das Problem zwischen den Griechen und den Deutschen ist nicht nur dass wir verschiedene Antworte geben, sondern auch dass wir verschiedene Fragen stellen…Ich kann dir nur sagen, dass sich das Moralisieren für deine Regierung und für die Steuerzahler deiner Heimat bisher als ein äußerst teurer Sport erwiesen hat…

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